Wex, Helga
(geb. Schimke)

* 05.07.1924 Buxtehude
† 09.01.1986 Mülheim/Ruhr

Bundestagsabgeordnete, Dr. phil., ev.

Quelle: Slomifoto/KAS-ACDP
1942 Abitur am Reformrealgymnasium in Buxtehude
1945 Beginn des Studiums der Literaturwissenschaften, Geschichte und Soziologie an der Universität Hamburg
1949 Promotion zum Dr. phil., Tätigkeit als Redaktionsassistentin
1951-1952 Studium am Europa Kolleg in Brügge sowie an der Akademie für Internationales Recht in Den Haag
1953-1957 Ministerialreferentin in der nordrhein-westfälischen Landesvertretung in Bonn
1954 Heirat mit dem Juristen Dr. Günther Wex
1958 Geburt der Tochter Katharina
1960 Geburt der Tochter Johanna
1961 Eintritt in die CDU
1961-1973 Mitglied des Rates der Stadt Mülheim/Ruhr
1967-1969 und 1972-1986 Mitglied des Deutschen Bundestages
1969-1986 Mitglied im Präsidium bzw. Bundesvorstand der CDU
1971-1986 Vorsitzende der Frauen Union
1972-1986 Stv. Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
1986 Koordinatorin für die deutsch-französische Zusammenarbeit

Biographischer Werdegang

Helga Wex war in der CDU eine engagierte und profilierte Streiterin für die Rechte der Frauen und Familien. 15 Jahre lang führte sie die Frauenvereinigung und war maßgeblich an deren programmatischer Neuausrichtung beteiligt. 16 Jahre lang war sie Mitglied im Bundesvorstand der CDU, davon acht Jahre lang stellvertretende Bundesvorsitzende. Für Helga Wex stand von Anbeginn ihres politischen Wirkens fest, dass „es für eine moderne Gesellschaft immer unverständlicher werden würde, Frauen nicht besser in ihre politischen und gesellschaftlichen Entwürfe einzubauen". Hierbei ging es ihr vor allem um die Gleichbehandlung berufstätiger und nicht-berufstätiger Frauen. Für sie war es immer wichtig, beiden Lebensentwürfen Raum zu geben und den Frauen eine Wahlfreiheit zwischen Beruf und Familie zu lassen. Von besonderer Bedeutung war für sie die Schaffung von Rahmenbedingungen, die es Frauen ermöglichen sollten - wie sie es in der Bundestagsdebatte am 19. März 1981 formulierte -, „auf familiengerechte Weise ihre Aufgaben in der Familie mit ihrem Wunsch nach außerhäußlicher Erwerbstätigkeit" zu verbinden.

Jugend, Ausbildung und Berufseinstieg

Geboren wurde Helga Wex am 5. Juli 1924 in Buxtehude als Tochter des preußischen Offiziers und Sozialdemokraten Hugo Schimke. Er hatte nach dem Ersten Weltkrieg den Lehrerberuf ergriffen und war als Rektor einer Volksschule tätig. Ihre Mutter, ebenfalls Sozialdemokratin, war eine examinierte Gewerbelehrerin, die mit der Frauenrechtlerin Gertrud Bäumer in Kontakt stand. Sie war ihr durch ihre berufliche Tätigkeit ein Vorbild. Helga Wex' Vater wurde 1934 von den Nationalsozialisten gezwungen, die Lehrertätigkeit aufgeben und ernährte seine Familie daraufhin als Steuerberater. Durch diese einschneidenden Erlebnisse hatte Helga Wex früh erkannt, wie sie 1984 schrieb, dass „Politik nicht etwas Abstraktes war, das außerhalb des Hauses geschah und immer nur andere betraf, sondern, daß Politik nicht zu trennen ist vom Schicksal der eigenen Familie".

Nach dem Abitur, das sie im Kriegsjahr 1942 ablegte, wurde Helga Wex zum Reichsarbeitdienst eingezogen und leistete außerdem Kriegsdienst in einer Munitionsfabrik. Als Turnlehrerin gab sie ein kurzes Intermezzo am Reformrealgymnasium, das sie einst auch besucht hatte. Direkt nach Kriegsende 1945 begann sie an der Universität Hamburg das Studium der Germanistik, Klassischen Philologie, Staatsrecht, Geschichte und Soziologie. Heidelberg und Tübingen waren weitere Stationen im Rahmen ihrer universitären Ausbildung. 1949 schloss Helga Wex ihre Studien mit einer mit „magna cum laude" ausgezeichneten Dissertation zum Thema „Das Abschiedsmotiv in der deutschen Liebeslyrik vom Mittelalter bis zum Ausgang des 18. Jahrhunderts" bei Hans Pyritz ab und wurde zum Dr. phil. promoviert. Ihre erste berufliche Tätigkeit führte sie als Assistentin in die Redaktion der literaturwissenschaftlichen Fachzeitschrift „Euphorion". In den Jahren 1951 und 1952 konnte Helga Wex ihre Ausbildung am Europa-Kolleg in Brügge sowie an der Akademie für Internationales Recht in Den Haag mit Hilfe eines Stipendiums der Bundesregierung und des Deutschen Akademischen Austauschdienstes fortsetzen.

1953 holte Carl Spiecker, der Bevollmächtige des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Bundesregierung, die junge Frau in seine Dienststelle nach Bonn, wo Helga Wex bis 1957 in der Funktion einer Ministerialreferentin tätig war. In der damaligen Bundeshauptstadt lernte sie auch ihren späteren Ehemann Günther Wex kennen. Der vormalige U-Boot-Offizier studierte zu diesem Zeitpunkt Jura, was ihm zuvor durch den Kriegseinsatz verwehrt gewesen war. 1954 heirateten sie, 1957 folgte sie ihrem Ehemann nach Mülheim/Ruhr, wo dieser - mittlerweile promovierter Jurist - als Vorstandsmitglied einer großen Stahlhandelsgesellschaft tätig wurde. 1958 wurde Tochter Katharina, 1960 Tochter Johanna geboren.

Einstieg in die Politik

1961 trat Helga Wex in die CDU ein und kandidierte für den Rat der Stadt Mülheim. Der Einzug in die Gemeindevertretung gelang ihr auf Anhieb. Ihren Sitz behielt sie bis 1973. Bei der Bundestagswahl 1965 bekam sie einen Platz auf der Landesliste, wodurch ihr am 28. April 1967 als Nachrückerin für den verstorbenen Bundeskanzler Konrad Adenauer erstmals der Einzug in den Deutschen Bundestag gelang. 1969 schaffte sie den Wiedereinzug - da auf Listenplatz 53 gesetzt - nicht. Im gleichen Jahr wurde sie aber auf dem Mainzer Parteitag mit 312 Stimmen in das Präsidium der CDU gewählt, 1977 folgte der Wechsel in den Bundesvorstand der CDU, dem sie bis zu ihrem Ableben angehörte. Von 1972 an war sie wieder im Deutschen Bundestag vertreten. Im gleichen Jahr wurde sie auch stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion.

Bundesvorsitzende der Frauenvereinigung der Union

Im Februar 1971 war Helga Wex - als Nachfolgerin von Aenne Brauksiepe - auf dem 7. Bundesdelegiertentag in Lübeck-Travemünde zur Vorsitzenden der Frauenvereinigung der CDU (ab 1988 Frauen-Union) gewählt worden.

Hier setzte die neue Vorsitzende sofort Akzente. Für sie galt das Motto „Politik braucht Ideen - Frauen haben sie". Kurz nach ihrem Amtsantritt sprach sich Wex für die gleiche Entlohnung von Mann und Frau aus. Weitere Themen waren die Einführung einer Partnerrente und von Erziehungsgeld, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Teilzeitarbeit sowie der leichtere berufliche Wiedereinstieg von Frauen und die Anerkennung von Erziehungszeiten bei der Rente sowie die Möglichkeit des Job-Sharings. Diese Themen verdeutlichen den Wandel des bislang eher traditionellen Frauen- und Familienbildes der CDU.

Am 8. November 1973 beschloss der Deutsche Bundestag auf Antrag der CDU/CSU-Fraktion die Einsetzung einer Enquete-Kommission zum Thema „Frau und Gesellschaft", die auf eine Anregung der Frauenvereinigung zurückging und am 19. Juni 1974 ihre Arbeit aufnahm. Zum Ende der Legislaturperiode konnte nur ein Zwischenbericht vorgelegt werden. Der Abschlussbericht wurde am 19. März 1981 im Deutschen Bundestag diskutiert.

Der Mannheimer Parteitag der CDU 1975 stellte einen großen Erfolg für Helga Wex dar. Das Grundsatzprogramm „Frau und Gesellschaft", das aus dem „Dortmunder Programm" der Frauenvereinigung entstanden war, wurde verabschiedet. Wex betonte in ihrer Rede auf dem Parteitag: „Wir sind Mitstreiter für eine freie Gesellschaft, in der die Stellung der Frau auf gleicher Verantwortung, gleichen Pflichten und gleichen Rechten beruht." Für sie sollte sich Politik am „Prinzip der Partnerschaft" orientieren.

1979 regte die Vorsitzende der Frauenvereinigung die Einrichtung eines Forschungs- und Dokumentationszentrums „Frau und Gesellschaft" zur wissenschaftlichen Erforschung der Stellung der Frau in der Gesellschaft an. In ihren Augen bestand auf diesem Gebiet in der Bundesrepublik Nachholbedarf. Das Institut nahm 1982 unter Leitung von Rita Süßmuth in Hannover seine Arbeit auf.

Das im August 1980 auf Anregung der Frauenvereinigung von der CDU verabschiedete Zehn-Jahres-Programm für die Frau sah vor, dass Männer und Frauen die gleichen Chancen im Arbeitsleben, in der Familie und im öffentlichen Leben haben sollten. Für Helga Wex stand im Vordergrund schon für Jungen und Mädchen Chancengleichheit in der Schule und bei der Ausbildung zu schaffen.

Zwei Jahre später, im April 1982, stellte die Frauenvereinigung den Acht-Punkte-Katalog zur Familienpolitik vor. Dieses Politikfeld wurde als die entscheidende innenpolitische Aufgabe der 1980er und 1990er Jahre bezeichnet. Um die entscheidenden Weichen zu stellen, wurde die Einrichtung eines „Familienkabinetts" innerhalb der Bundesregierung vorgeschlagen, dessen Aufgabe es sein sollte, politische Maßnahmen auf ihre familienpolitische Wirkung hin zu überprüfen und die Familienpolitik zu koordinieren.

Einen weiteren Höhepunkt in der politischen Tätigkeit von Helga Wex stellte die Verabschiedung der „Leitsätze der CDU für eine neue Partnerschaft zwischen Mann und Frau" auf dem Essener Bundesparteitag 1985 dar. In der Präambel wurde u. a. festgelegt: „Die immer noch bestehende Benachteiligung vieler Frauen im Lebensalltag widerspricht dem Auftrag des Grundgesetzes und ist mit den Prinzipien christlich-demokratischer Politik nicht vereinbar. Ohne den Sachverstand und die Kreativität der Frauen kann unsere Gesellschaft die Herausforderungen nicht bestehen, die an eine moderne und humane Industrienation gestellt werden. Die CDU ist davon überzeugt, daß das Ziel einer Gesellschaft mit menschlichem Gesicht nur erreicht werden kann, wenn Frauen auf allen Ebenen und in allen Bereichen an verantwortlicher Stelle mitwirken. Die Verwirklichung der Gleichberechtigung und ein neues Verständnis von Partnerschaft zwischen Mann und Frau sind dafür die Voraussetzungen." Auf dem Parteitag setzte sich Helga Wex vehement für die Einrichtung eines Gleichberechtigungsforums auf Bundesebene ein, da sie die Gleichberechtigung als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe definierte. Für sie bedeuteten die Essener Leitsätze eine „neue Qualität der Gleichberechtigung". Wobei sie auch immer betonte, dass sie den Begriff der Gleichberechtigung gerne durch „faire Partnerschaft" ersetzt sehen würde.

Schon im Jahr zuvor hatte sich Helga Wex in einem 17 Thesen umfassenden Papier für die Klausurtagung der Bundesfrauenvereinigung mit der aktuellen Situation der CDU in ihrem Verhältnis zu jüngeren Frauen befasst und gefordert, nicht „für Frauen Politik zu machen, sondern mit Frauen".

Weiteres politisches Engagement

Trotz ihrer Berufung in drei Regierungsmannschaften 1972, 1976 und 1980 übernahm Helga Wex 1982 kein Amt in der neuen Bundesregierung. Obwohl sie schon lange als ministrabel galt, wurde sie nicht Familienministerin. Die Aufgabe einer Staatssekretärin wollte sie nicht übernehmen, da ihr das Amt - so ihre Begründung - keinen Platz mehr für ein Engagement in ihrem Wahlkreis Mülheim gelassen hätte. Außerdem wollte sie stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion bleiben; im Oktober 1982 wurde sie mit 153 von 173 Stimmen in ihrem Amt bestätigt.

1984 übernahm Helga Wex als Nachfolgerin von Carl Otto Lenz das Amt der Koordinatorin für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Zu ihren Aufgaben gehörte die Vorbereitung der Gipfelkonsultationen.

Ein schweres Krebsleiden beendete am 9. Januar 1986 viel zu früh das Engagement der „Streiterin für Frauenfragen", wie die „Frankfurter Rundschau" den Nachruf vom 11. Januar 1986 überschrieb. Für sie war von Anfang klar, dass sie keine „Alibi-Frau" in der Politik sein wollte. Im Mai 1967, kurz nach ihrem Einzug in den Bundestag, formulierte sie in der „Zeit" die folgende Maxime: „Gleichberechtigung als Privileg ist ohne Belang. Sie hilft einer Frau nicht weiter, wenn sie sich nicht durch Leistung gegenüber den Männern durchsetzen kann. Ich bin in der Politik mit Männern immer dann am besten zurechtgekommen, wenn ich sie meine Vorstellungen und meine Unabhängigkeit unmißverständlich spüren ließ."

Schriftlicher Nachlass

Der schriftliche Nachlass von Helga Wex liegt im Archiv für Christlich-Demokratische Politik (Bestandssignatur 01-379). Ihr Tätigkeit als Vorsitzende der Frauenvereinigung ist dokumentiert im Bestand der Frauen-Union, der sich ebenfalls im ACDP befindet (Bestandssignatur 04-003). Beide Bestände sind gemäß den Benutzungsbedingungen des ACDP einsehbar.

Literaturhinweise

Helga Wex: Die Zukunft der Familie. Kriterien für eine bürgernahe Gesellschaftspolitik. In: Die Zukunft der Bundesrepublik Deutschland. Hg. von Otmar Franz. Stuttgart 1975.
Helga Wex/Udo Kollenberg: Frau und Industriegesellschaft. Plädoyer für die freiheitliche Alternative Partnerschaft. Köln 1979.
Helga Wex (Hg.): Frau und Gesellschaft. Debatte im Deutschen Bundestag am 19. März 1981 über den Bericht der Enquete-Kommission Frau und Gesellschaft. Bonn 1981.
Helga Wex: Partnerschaft heißt, daß Mann und Frau sich in ihrem Eigenwert erkennen. In: Unterwegs zur Partnerschaft. Hg. von Renate Hellwig. Stuttgart/Herford 1984, S. 243-259.
Carl Otto Lenz/Helga Wex: Die Deutsch-Französische Zusammenarbeit. La Cooperation Franco-Allemande (Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Reihe: Berichte und Dokumentationen. Stand 30. September 1983).
50 Jahre Frauen-Union der CDU. Katalog zur Ausstellung. Hg. vom Archiv für Christlich-Demokratische Politik der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. Sankt Augustin 1998.
Denise Lindsay; Helga Wex (1924-1986), in: HPM 18 (2011), S. 229-248.

Denise Lindsay