Geistig-moralische Wende


„Zur geistig-politischen Wende gehörten für mich zwei zentrale Punkte: die Bereitschaft, den Frieden zu verteidigen, und die Verlässlichkeit der Deutschen im Bündnis."
Erinnerungen 1982-1990, S. 51.

„Die Frage der Zukunft lautet, wie sich Freiheit, Dynamik und Selbstverantwortung neu entfalten können. (...) Zu viele haben zu lange auf Kosten anderer gelebt: der Staat auf Kosten der Bürger, Bürger auf Kosten von Mitbürgern und - wir sollten es ehrlich sagen - wir alle auf Kosten der nachwachsenden Generationen."
Regierungserklärung vom 13. Oktober 1982.

„Ich wollte das Votum der Wähler."
Erinnerungen 1930-1982, anlässlich der Herbeiführung der Bundestagswahl 1983.

„Arbeit, Frieden, Zukunft. Miteinander schaffen wir's."
Slogan der CDU für die Bundestagswahl 1983.

„Programm der Erneuerung: Freiheit, Mitmenschlichkeit, Verantwortung"
„Die Regierung der Mitte hat einen Anfang gemacht, den Staatshaushalt in Ordnung zu bringen, die Systeme sozialer Sicherheit zu festigen, der Wirtschaft wieder Mut und den Menschen wieder Vertrauen zu geben. (...) Wir haben die Kraft und das Leitbild, Ethik und Ökonomie, Freiheit und Gerechtigkeit zu verbinden. (...) Die Koalition der Mitte wird den richtigen Weg gehen - in der Verantwortung für die Freiheit und die Mitmenschlichkeit in unserem Vaterland."
Regierungserklärung vom 4. Mai 1983.


„Die Bundesrepublik Deutschland ist eine demokratische Kulturnation. Unsere Nachbarn, Partner und Freunde können sich darauf verlassen: Deutschland ist offen für Dialog und Zusammenarbeit. Wir treten ein für unsere eigenen Wertvorstellungen und werben für sie. Gerade nach den Erfahrungen dieses Jahrhunderts wissen wir aber auch, wie wichtig es ist, von anderen zu lernen. (...) Das Bild der Deutschen in der Welt wird nicht nur durch den Export von materiellen Gütern, sondern auch vom Reichtum und von der Vielfalt unserer Kultur geprägt. Dies wird mir auf jeder meiner Auslandsreisen (...) auf eindrucksvolle Weise bestätigt.
Ich weiß, daß gelegentlich kritisch gefragt wird, ob wir eigentlich in Deutschland an so vielen Universitäten Lehrstühle für Sinologie und Indologie brauchen. Wenn Sie allerdings nach Indien kommen, wird Ihnen dort bewußt, wieviel Wertschätzung wir Deutsche nicht zuletzt wegen der herausragenden Leistung der deutschen Indologie genießen. Gerade an diesem Beispiel zeigt sich, daß das, was Generationen vor uns aufgebaut haben, noch heute unser Erscheinungsbild in der Welt mitprägt.
Unsere Außenpolitik beruht auf Vertrauenswürdigkeit, Fähigkeit zur Partnerschaft, Fähigkeit zum Dialog und auf Berechenbarkeit. (...) Mit dieser Kulturpolitik haben wir weltweit das Verständnis für die Einheit der deutschen Nation trotz jahrzehntelanger staatlicher Trennung lebendig erhalten können. So war es auch möglich, geistige Brücken über den Eisernen Vorhang zu schlagen und kulturelle Bindungen und Verbindungen zu den Menschen zu pflegen, deren totalitäre Staatsführungen nichts mehr fürchteten als die freie Entfaltung von Kultur und Wissenschaft. Heute können wir uns darüber freuen, daß wir in einem zusammenwachsenden Europa leben, dessen Bürgerinnen und Bürger in Ost und West auf der Grundlage gemeinsamer Werte zusammenarbeiten wollen."
Rede im Goethe-Institut in Mannheim am 1. Dezember 1995.

„Die Männer und Frauen, die vor fast 50 Jahren das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland schufen, wußten, warum sie so großen Wert auf die freiheitliche Grundordnung auch im künstlerischen Bereich legten. Das Grundgesetz garantiert die Freiheit der Kunst, die Freiheit der künstlerischen Aussage. In Artikel 5 heißt es kurz und knapp: Die Kunst ist frei."
Anläßlich der 23. Europarat-Ausstellung „Kunst und Macht im Europa der Diktatoren 1933-1945" am 10. Juni 1996 in Berlin.


"Geistige Führung, das heißt für uns, Maßstäbe und Kriterien des eigenen Handelns zustimmungsfähig zu machen. Geistige Führung, das heißt heute vor allem, sich um neuen Mut und Gemeinsinn zu bemühen, um die Opfer und Anstrengungen der kommenden Jahre tragen zu können."
Am 9. März 1981 auf dem Bundesparteitag der CDU in Mannheim.

"Wir erleben es doch überall: bürgerliche Tugenden, die unser soziales Zusammenleben bisher verläßlich geregelt haben, wurden von einer Mentalität zurückgedrängt, nach der alles als erlaubt gilt, was nicht ausdrücklich verboten ist, und die nur noch solche Pflichten anerkennt, die auch auf dem Wege der Rechtsmittel erzwingbar sind. Der neue Präsident des Bundesarbeitsgerichts, Dr. Kissel, hat knapp und prägnant unsere Lage auf die Formel gebracht, es fehle der Grundkonsens darüber, 'was man tut und was man nicht tut'. Lassen Sie uns wieder darüber sprechen. Unsere Mitbürger warten darauf. Dies ist die eigentliche geistige Herausforderung unserer Zeit.
Diesen Grundkonsens kann unser Staat nicht durch Gesetze und nicht durch Gerichtsentscheidungen ersetzen. Jetzt wird sichtbar, wie wichtig, wie unverzichtbar Tugenden sind wie: Redlichkeit und Augenmaß, Treue zu Gesetzen, Menschlichkeit und Toleranz, Pflichtgefühl und Fleiß, Sparsamkeit und Gemeinsinn, Selbstdisziplin und Eigeninitiative. Mit diesem großartigen moralischen Kapital unseres Volkes sind die Sozialisten genauso dilettantisch umgegangen wie mit den öffentlichen Finanzen des Landes. Heute wird es immer häufiger üblich, alle Rechte und Ansprüche an den Staat bis zum äußersten auszunutzen. Als clever und geschickt gilt, wer sich noch darüber hinaus Vorteile zu verschaffen weiß. Das ist ein erbärmliches Beispiel für die junge Generation."
Am 9. Mai 1981 auf dem Bundesparteitag der CDU in Mannheim.

"Richtig ist aber auch, daß man diesen jungen Leuten falsche Maßstäbe gegeben hat. So sagte man, der Konflikt sei der Vater aller Dinge, Disziplin sei überflüssig, Leistungswille ein Kennzeichen der Ellenbogenmentalität. Viele haben sich daran orientiert und sind enttäuscht worden. Auch die neue Schule hat keinen 'Spaß gemacht', und Selbstdisziplin und Fleiß werden im Leben halt doch verlangt, weil sie unverzichtbar sind. Wir müssen klar und deutlich sagen: Nur mit den Werten und Tugenden, die unser Leben lebenswert gemacht hat, die unser Land zu Wohlstand und Ansehen in der Welt gebracht haben - mit der Bereitschaft zur Leistung, mit Eigeninitiative, mit dem Mut zur Selbständigkeit und mit der Lebenstüchtigkeit der jungen Generation - werden wir, die Deutschen, die Herausforderungen der Zukunft bestehen."
Am 3. November 1981 auf dem Bundesparteitag der CDU in Hamburg.


"Alles, was der Staat, was eine handlungsfähige Regierung in der Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik besser machen kann, wird wirkungslos bleiben, wenn es nicht gelingt, auch im Denken und Handeln unserer Mitbürger - und natürlich auch bei uns selbst - eine Wende, eine grundsätzliche Neubesinnung einzuleiten. Allein mit Geld, mit Gesetzen, mit Behördenfleiß ist die jetzige Krise nicht zu überwinden. Ich behaupte, daß die Krise, in der wir uns befinden, trotz der beachtlichen und schweren materiellen Probleme auch, ja zum größten Teil eine geistig-moralische Krise ist. Wenn wir diese Herausforderung begreifen, könnten wir auch die materiellen Gegebenheiten wieder in Ordnung bringen.
Diese geistig-moralische Krise ist das Resultat einer seit über einem Jahrzehnt betriebenen Verunsicherung, einer Verunsicherung im Verhältnis zu unserer Geschichte, zu vielen grundlegenden ethischen Werten und sozialen Tugenden, zu Staat und Recht, und letztlich auch einer Verunsicherung in unserem nationalen Selbstverständnis."
Am 9. September 1982 im Deutschen Bundestag.

"Aber viele Menschen leiden heute weniger an materieller Armut; sie leiden an Einsamkeit, Mangel an Geborgenheit und Mitmenschlichkeit.
Es mangelt ihnen an Gütern, die sie auf dem Markt nicht kaufen und schon gar nicht vom Staat erhalten können. Ich zitiere Wilhelm Röpke, einen der Väter der Sozialen Marktwirtschaft. Er sagt:
'Marktwirtschaft ist eine notwendige, aber keine ausreichende Bedingung einer freien, glücklichen, wohlhabenden, gerechten und geordneten Gesellschaft.' Und er fügt hinzu:
'Das schließliche Schicksal der Marktwirtschaft entscheidet sich - jenseits von Angebot und Nachfrage.' So dürfen wir, finde ich, über dem wirtschaftlichen Wohlstand und den Sorgen im ökonomischen nicht das seelische Wohlergehen der Menschen vergessen. Der 'Reichtum der Nationen' beruht nicht nur auf ökonomischen Zuwachsraten, sondern auf den menschlichen Werten, auf Tugenden und Bindungen."
Am 13. Oktober 1982 in seiner ersten Regierungserklärung.

"Wir brauchen wieder die Tugenden der Klugheit, des Mutes und des Maßes für die Zukunft unseres Landes. Die Frage der Zukunft lautet nicht, wieviel mehr der Staat für seine Bürger tun kann. Die Frage der Zukunft lautet, wie sich Freiheit, Dynamik und Selbstverantwortung neu entfalten können. Auf dieser Idee gründet die Koalition der Mitte. Zu viele haben zu lange auf Kosten anderer gelebt: der Staat auf Kosten der Bürger, Bürger auf Kosten von Mitbürgern und - wir sollten es ehrlich sagen - wir alle auf Kosten der nachwachsenden Generationen. Es ist jetzt auch ein Gebot des sozialen Friedens und der sozialen Gerechtigkeit, daß wir der Ehrlichkeit, der Leistung und der Selbstverantwortung eine neue Chance geben."
Am 13. Oktober 1982 in seiner ersten Regierungserklärung.