7. Mai 1998
Rede beim Festakt im Schauspielhaus Berlin anlässlich des 50. Jahrestages der Gründung des Staates Israel


Sehr geehrter, lieber Herr Botschafter Primor,
Frau Bundestagspräsidentin,
meine Damen und Herren Ministerpräsidenten,
Herr Regierender Bürgermeister,
meine Herren Landtagspräsidenten,
meine Damen und Herren Abgeordnete,
Exzellenzen, meine Damen und Herren,

wir haben uns heute in der deutschen Hauptstadt versammelt, um gemeinsam den 50. Jahrestag der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948 zu begehen.

Dies ist für uns Deutsche ein besonders wichtiger Anlaß. Wir alle spüren das Ungewöhnliche dieser Stunde. Ich darf allen Bürgerinnen und Bürgern Israels - auch im Namen meiner Landsleute, die sich Israel in besonderer Weise verbunden fühlen - zu diesem Jubiläum unsere herzlichsten Glück- und Segenswünsche aussprechen. Die Menschen in Israel haben den Aufbau dieses Landes unter schwierigsten Bedingungen erlebt und gestaltet.

Sie haben es geschildert, Herr Botschafter. Sie sagen ganz zu Recht, daß Sie und Ihre Landsleute auf diese Aufbauleistung stolz sein dürfen. Wir dürfen Ihnen zurufen: Wir bewundern Ihre Aufbauleistung! Wir bewundern Ihren Mut und Ihr Stehvermögen, aber auch Ihre Klugheit und Ihr Vertrauen in die eigene Kraft. Was Sie in diesen Jahrzehnten geleistet haben, dient vielen in der Welt als Beispiel.

Mit der Rückkehr aus der Diaspora ist ein alter Wunsch in Erfüllung gegangen, den Theodor Herzl vor über hundert Jahren zu einer konkreten Vision werden ließ. Er glaubte an die baldige Errichtung eines Staates, der den Juden aus aller Welt eine gemeinsame Heimat schenken sollte. Herzl und viele seiner Weggefährten und Freunde dachten daran, daß sich die Menschen in diesem ersehnten Gemeinwesen in der Sprache von Moses Mendelssohn und Gotthold Ephraim Lessing verständigen könnten. Für sie alle war es damals unvorstellbar, daß die deutsche Sprache schon wenige Jahrzehnte später für Millionen von Juden zur Sprache ihrer schlimmsten Verfolger werden würde. Auch die Erinnerung hieran gehört in diese Stunde.

Der neugegründete Staat Israel bot den Juden, die der Shoah entkommen konnten, eine neue Heimat. Deshalb, meine Damen und Herren, ist das Gedenken an die Gründung Israels immer auch mit der Erinnerung an die von den Nazis und ihren Helfern an Juden verübten Verbrechen verbunden. Auch wenn die Zeit davonschreitet, wird die Beziehung von Deutschland und dem deutschen Volk zu Israel stets eine besondere sein. Sie ist und bleibt durch das Gedenken an die Shoah geprägt.

Vor bald sechzig Jahren brannten hier in Berlin und in ganz Deutschland die Synagogen. Mit der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 erreichte die Verfolgung der Juden eine neue Dimension. Sie fand in der Shoah ihren grauenvollen Höhepunkt. Das den Juden in dieser Zeit zugefügte Leid ist ein unauslöschlicher Teil der Geschichte des Judentums; es ist auch ein unauslöschlicher Teil unserer deutschen Geschichte. Wir Deutschen dürfen und werden die Barbarei des Nationalsozialismus und das unsagbare Leid der Opfer nicht vergessen.

Niemand kann sich von der Geschichte seines Volkes, in das er hineingeboren wird, lossagen. Wir können und müssen aus ihr vielmehr Lehren für die Gestaltung der Gegenwart und Zukunft ziehen. Die wichtigste Lehre lautet, daß der Friede zwischen Menschen und Völkern mit der unbedingten Achtung der Würde des anderen beginnt. Eine freiheitliche Demokratie lebt nicht zuletzt von der Bereitschaft ihrer Bürger, sich jeder Form von politischem Extremismus entschlossen zu widersetzen.

Exzellenzen, meine Damen und Herren, das Fundament für den heutigen Staat Israel wurde von großartigen Männern und Frauen gelegt. Der Name David Ben Gurion steht weltweit für diese Gründergeneration. Was sie leistete, verdeutlicht sich am besten in Ben Gurions eigenem Wort: "Wer in Israel nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." Er hatte den Traum, "die Wüste zum Blühen zu bringen". Dieser Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich habe dies besonders stark empfunden, als ich an seinem Grab in der Negev-Wüste stand.

Den großen Problemen, die mit der Staatsgründung verbunden waren, begegneten die Gründer mit unerschütterlichem Mut, mit bewundernswertem Fleiß und mit großer Weitsicht. Sie haben mit dieser vorbildlichen Haltung kommende Generationen geprägt und damit entscheidend die Erfolgsgeschichte Israels vorgezeichnet. Israel - wir haben es gerade gehört - hat in den vergangenen fünfzig Jahren einen beinahe unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung genommen. Im Bereich der wissenschaftlichen Forschung und Hochtechnologie setzt Israel Maßstäbe. Auch die gesellschaftliche Entwicklung ist beeindruckend. Das kleine Land, dessen Bevölkerungszahl sich seit 1948 verzehnfacht hat, vollbrachte und vollbringt - trotz aller Schwierigkeiten - eine einzigartige Leistung bei der Integration von Menschen aus verschiedensten Ländern und Kulturkreisen.

Wir Deutschen empfinden eine besondere Dankbarkeit dafür, daß schon bald nach der Staatsgründung Schritte der Annäherung zwischen Israel und der Bundesrepublik Deutschland stattfanden. Aus ihnen haben sich intensive Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern entwickelt.

Es war für Juden alles andere als selbstverständlich, so kurze Zeit nach der Shoah auf Deutsche und auf Deutschland zuzugehen. Nahum Goldmann - ich nenne auch diesen Namen - und David Ben Gurion waren bereit, um einer besseren Zukunft willen Gefühle der Bitterkeit, der Ablehnung und auch des Hasses zu überwinden. Sie trafen in allen demokratischen Parteien der Bundesrepublik Deutschland auf Persönlichkeiten, die nicht nur aus dem Verstand - so wichtig dies auch ist -, sondern auch aus dem Herzen heraus bereit waren, sich der Verantwortung für die Vergangenheit unseres Volkes zu stellen.

In seiner Erklärung vom 27. September 1951 vor dem Deutschen Bundestag bezeichnete es Konrad Adenauer als "vornehmste Pflicht des deutschen Volkes", im Verhältnis zum Staate Israel und zum jüdischen Volk den "Geist wahrer Menschlichkeit wieder lebendig und fruchtbar" werden zu lassen. Ich darf hier sagen, daß alle meine Amtsvorgänger - von Konrad Adenauer über Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger bis hin zu Willy Brandt und Helmut Schmidt - der großartigen Idee der deutsch-israelischen Verständigung gedient haben.

Im Gegensatz zum kommunistischen Regime in der DDR waren sich die politisch Verantwortlichen in der Bundesrepublik Deutschland ihrer besonderen Verpflichtung gegenüber Israel stets bewußt.

Einer der ersten Schritte auf dem Weg zur deutsch-israelischen Verständigung war das "Wiedergutmachungsabkommen" von 1952. Wir alle wissen, daß Leid und Tränen, Schmerz und Tod nicht wiedergutgemacht werden können. Doch die Bundesrepublik Deutschland konnte so wenigstens einen wichtigen materiellen Beitrag zum Aufbau der jungen Volkswirtschaft Israels in einer beklemmend schwierigen Zeit leisten.

Die zunächst vorwiegend wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit schuf eine Grundlage für zwischenmenschliche Kontakte, die sich glücklicherweise nicht selten zu wirklicher Freundschaft weiterentwickelten. Auch die Kooperation zwischen Wissenschaftlern führte zu zahlreichen persönlichen Bindungen zwischen Menschen aus Israel und Deutschland. Das Netz der persönlichen Beziehungen hat sich im Laufe der Zeit immer stärker verdichtet. Es stellt für mich - ich sage das aus meiner eigenen Beobachtung und Erfahrung heraus - den eigentlichen Schatz des deutsch-israelischen Verhältnisses dar. Wer die Chance hat, von diesem Platz am Rednerpult aus in die vielen Gesichter hier im Saal zu blicken, der sieht, wie der Traum guter deutsch-israelischen Beziehungen Wirklichkeit geworden ist.

Jahr für Jahr suchen Tausende deutscher Geschäftsleute und freiwilliger Hilfskräfte, deutscher Pilger und Urlauber - darunter viele, viele junge Leute - die persönliche Begegnung mit Land und Leuten. Nicht nur in Israel finden Begegnungen von Israelis und Deutschen statt: Allein im Rahmen der zahlreichen Städtepartnerschaften und Austauschprogramme kommen Jahr für Jahr viele Menschen aus Israel nach Deutschland. Das Jahr 1998, in dem hier in Deutschland viele Veranstaltungen aus Anlaß des Staatsjubiläums stattfinden, bietet ganz besondere Möglichkeiten der Begegnung.

Viele Deutsche nehmen sehr engagiert Anteil am Schicksal Israels. Sie tun dies im Bewußtsein dessen, was vor über fünfzig Jahren geschehen ist, aber auch voller Bewunderung für das moderne, demokratische und pluralistische Leben der Gesellschaft dieses Landes. Sie sind bereit, sich der Vergangenheit in aller Ehrlichkeit zu stellen. Sie möchten aber auch, daß die demokratische Stabilität unserer Bundesrepublik und ihr Beitrag zum Frieden in der Welt anerkannt werden.

Besonders dankbar bin ich dafür, daß sich in Deutschland wieder eine lebendige jüdische Gemeinschaft entwickelt hat. Ich weiß, daß diese Entwicklung in Israel nicht unumstritten war und ist. Ich freue mich darüber, daß sich die Zahl der Mitglieder der jüdischen Gemeinden seit 1990 mehr als verdoppelt hat. Ich freue mich vor allem darüber, daß Synagogen in unserem Land nicht nur Stätten historischer Erinnerung sind, sondern mehr und mehr zu Orten jüdischer Gegenwart religiösen Lebens werden. Dies entspricht einem Wunsch, den ich hier ganz ausdrücklich bekräftigen will.

Ganz besonders dankbar bin ich auch den vielen Menschen, die sich nach der Erfahrung der Shoah für den Dialog und für die Verständigung zwischen Christen und Juden eingesetzt haben und einsetzen. Ich nenne hier vor allem - und mit großer Verehrung - den wegweisenden Beitrag Martin Bubers.

Versöhnung, das ist eine höchstpersönliche, freie Entscheidung - eine Entscheidung, auf die niemand Anspruch erheben kann. Niemand kann sie verordnen. Um so größer ist das Wunder, daß über die Abgründe der Vergangenheit hinweg so viele neue, tragfähige Brücken gebaut wurden.

Meine Damen und Herren, die Bundesrepublik Deutschland und der Staat Israel kooperieren heute intensiv in allen Bereichen. Die Beziehungen zwischen unseren Ländern haben sich im Laufe der Zeit zu einer aufrichtigen Freundschaft entwickelt. Ich bin dankbar für das, was Sie, Herr Botschafter, zu diesem Thema ausgeführt haben. Führende israelische Politiker - vor allem des letzten Jahrzehnts - haben immer wieder gesagt: "Nach den Amerikanern sind die Deutschen unsere besten Freunde." Das sind gewichtige Worte. Wir nehmen sie sehr ernst, auch in den Konsequenzen.

Eine bedeutende Rolle in der Geschichte unserer zwischenstaatlichen Beziehungen haben seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen im Jahre 1965 immer auch die israelischen Botschafter in Deutschland und die deutschen Botschafter in Israel gespielt. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um ihnen allen für ihren Dienst, der nicht immer einfach war, zu danken. Wenn ich unseren Gastgeber, Herrn Botschafter Primor, besonders erwähne, dann nehmen Sie den Dank sicherlich auch gerne für Ihre Vorgänger mit an.

Ihr eigener Lebensweg, Herr Botschafter, den Sie in Ihrem kürzlich erschienenen Buch so eindrucksvoll beschrieben haben, spiegelt in vielfältiger Hinsicht den Prozeß der Annäherung zwischen unseren beiden Ländern wider.

Deutschland und Israel haben bei aller Verschiedenheit vieles gemeinsam. Wir sind den gleichen Grundwerten verpflichtet. Für unsere beiden Länder sind Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Freiheit die tragenden Säulen eines friedlichen Zusammenlebens. Das deutsch-israelische Verhältnis ist von der Vergangenheit geprägt, jedoch immer auch nachdrücklich auf gemeinsame Ziele in der Zukunft gerichtet.

Ohne Frieden - das wissen wir - gibt es keine gute Zukunft. Ich finde es immer wieder bedrückend, daß ausgerechnet die Region, in der drei Weltreligionen ihren Ursprung haben, bisher so wenig Chancen gefunden hat, zu wirklichem Frieden zu kommen. Dabei weiß ich um die großen Unterschiede, die immer wieder Quelle von Mißverständnissen und Konflikten sind. Bei allen Unterschieden sind jedoch Juden, Christen und Muslime durch gemeinsame tiefe Wurzeln verbunden. In ihrem Miteinander liegt ein entscheidender Schlüssel für den Weltfrieden im 21. Jahrhundert.

Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes ist in Europa und im Nahen Osten das Bewußtsein dafür gewachsen, daß in der Welt von morgen beide Regionen sehr viel stärker als bisher voneinander abhängen werden. Frieden, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Stabilität müssen daher unsere gemeinsame Zielsetzung sein.

Die Europäische Union - und ich bin allen meinen europäischen Kollegen dafür dankbar, daß sie hier immer mitgewirkt haben - ist, Seite an Seite mit den Vereinigten Staaten von Amerika, seit langem in vielfältiger Weise bestrebt, zum Gelingen des Friedensprozesses im Nahen Osten beizutragen. Haß, Gewalt, Leid und Vertreibung müssen endlich ein Ende finden. Das setzt Verständigungsbereitschaft, aber auch die entschlossene Bekämpfung jeder Form von Terrorismus voraus.

Wir treten ohne jede Einschränkung für die Sicherheit Israels ein. Wir sehen auch die berechtigten Interessen seiner Nachbarn, insbesondere die der Palästinenser. Der Osloer Friedensprozeß hat gezeigt, daß ein vernünftiger Ausgleich israelischer und arabischer Interessen mit gutem Willen und nötigem Weitblick, mit Mut und Klugheit, trotz mancher Rückschläge möglich ist. Nur wenn die in Oslo getroffenen Vereinbarungen umgesetzt werden, wird es einen dauerhaften Frieden in der Region geben. Ich bin zuversichtlich, daß die jetzige israelische Regierung diesen Weg fortsetzen wird. Ich habe diesen Eindruck in vielen Gesprächen mit Ministerpräsident Netanjahu gewinnen können.

Die Europäische Union kann bei aller Unterstützung des Friedensprozesses nicht die Bereitschaft der beteiligten Parteien zu einer gerechten und dauerhaften Lösung ersetzen. Dabei ist es aus meiner Sicht besonders wichtig, daß vor allem in schwieriger Zeit die Gespräche nicht abreißen.

Mich hat es seinerzeit mit großer Freude erfüllt, daß Yitzhak Rabin im Sommer 1995 gerade die Überwindung der deutschen Teilung als Vorbild für den Friedensprozeß in der eigenen Region nannte. Er sagte damals: "Die Mauern, die Sie zum Einsturz brachten, die Stacheldrahtzäune, die Sie niederrissen, die Minenfelder, die Sie räumten - all dies sind Beispiele dafür, was hier im Nahen Osten erreicht werden kann und erreicht werden soll." Dies ist eine Vorstellung, die wir alle nur unterstützen können. Yitzhak Rabin hat seinen Einsatz für eine friedliche Zukunft seines Landes und des ganzen Nahen Ostens wenige Monate später mit dem Leben bezahlt. Gerade in diesen Tagen denken wir mit Trauer und mit Dankbarkeit an diesen großen Architekten des Friedens.

Herr Botschafter, mit Ihnen spreche ich Ihr Land und seine Bürgerinnen und Bürger an: Das vereinte Deutschland wird auch in Zukunft in der bilateralen Beziehung und gemeinsam mit seinen europäischen und amerikanischen Partnern alles in seinen Kräften Stehende tun, um zu einer friedlichen und gedeihlichen Entwicklung im Nahen Osten beizutragen. Dabei erscheint es mir besonders wichtig, die enormen sozialen Spannungen in dieser Region abbauen zu helfen.

Konrad Adenauer hat 1949, gleich zu Beginn seiner Amtszeit als Bundeskanzler, erklärt, es sei Ziel seiner Außenpolitik, Verständigung vor allem mit Frankreich, mit Polen und mit Israel zu suchen. Diesem Ziel sehe ich mich ebenso verpflichtet wie all meine Vorgänger im Amt des Bundeskanzlers.

Israel wird in Deutschland auch in der Zukunft einen treuen Freund und einen Fürsprecher im besten Sinne des Wortes haben. So werden wir uns weiterhin mit ganz besonderem Nachdruck in der Europäischen Union für die Interessen Israels engagieren. Für mich heißt das ganz einfach, daß wir als Freund zu unseren Freunden stehen. Freundschaft - das erlebt jeder von uns auch im privaten Leben - bewährt sich nicht dann, wenn es einem gutgeht. Freundschaft bewährt sich dann, wenn sich viele, die vermeintlich Freunde sind, abwenden. Das werden die Deutschen nicht tun.

Herr Botschafter, Sie hatten die Freundlichkeit zu erwähnen, daß auf meinen Vorschlag hin die Staats- und Regierungschefs beim Europäischen Rat in Essen 1994 beschlossen haben, Israel den Status eines privilegierten Partners einzuräumen. Dies ist nicht irgendeine Formel. Vielmehr wurden so die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß im 21. Jahrhundert die besondere Beziehung zwischen Europa und Israel weiter ausgebaut und mit Leben erfüllt wird.

Europa und Israel haben einander viel zu geben. Ich denke dabei nicht nur an ökonomische und politische Fragen. Ich bin davon überzeugt, daß auch die kulturellen Beziehungen und Bindungen zwischen Europa und Israel in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Unsere europäische Kultur hat ihre geistigen Wurzeln auch im Judentum, genauso wie der Staat Israel und die Menschen in Israel ihre historischen Wurzeln auch in Europa haben.

"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist." Diese Botschaft hat Ihnen, liebe Bürgerinnen und Bürger Israels, Ihre Gründergeneration mit auf den Weg gegeben. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, daß Sie den Glauben an das scheinbar Unmögliche auch in einer veränderten Zeit, im jetzt beginnenden 21. Jahrhundert, nicht verlieren werden.

Die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland werden Ihnen, wenn Sie es wünschen, bei der Verwirklichung Ihrer Hoffnungen zur Seite stehen. Wir sind uns der besonderen Verantwortung gegenüber Israel bewußt. Das, meine Damen und Herren, galt für die letzten fünf Jahrzehnte, das gilt für die Gegenwart und das wird auch in der Zukunft so sein.

Quelle: Bulletin der Bundesregierung. Nr. 36. 27. Mai 1998.