11. November 1996: Ansprache anlässlich des Empfangs der Medaillengewinner der Olympischen Sommerspiele und der Paralympics in Atlanta auf dem Petersberg bei Bonn


Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
meine sehr geehrten Damen und Herren,
und vor allem: liebe Sportlerinnen und Sportler,

ich freue mich, daß Sie in so großer Zahl hierher auf den Petersberg gekommen sind. Bei den Olympischen Spielen und bei den Paralympics in Atlanta haben Sie, liebe Sportlerinnen und Sportler, so viele Medaillen gewonnen wie kaum eine andere Mannschaft. Durch Ihre herausragenden Leistungen und durch Ihr großartiges Auftreten haben Sie unser Land hervorragend vertreten.

Dafür danke ich Ihnen noch einmal sehr herzlich. Und wenn ich Ihnen, den Siegern, danke, dann schließe ich die Mannschaftsmitglieder mit ein, die nicht auf dem Treppchen standen, denn sie haben ebenfalls zu dem positiven Bild der deutschen Mannschaft beigetragen.

Das Silberne Lorbeerblatt, das Sie heute verliehen bekommen, ist ein Zeichen der Anerkennung und des Dankes. Es soll auch ein Dank sein für die Freude, die Sie mit Ihren Erfolgen vielen Menschen gebracht haben.

Danken möchte ich auch all denen, die mit zu den Erfolgen der Aktiven beigetragen haben. Ich denke an die Trainer, Betreuer, Ärzte, Physiotherapeuten und vor allem an die persönlichen Begleiter einzelner Aktiver bei den Paralympics, ohne die ein Wettkampf so nicht möglich gewesen wäre.

Dazu gehören natürlich auch all diejenigen, die in den Verbänden arbeiten. In Deutschland neigt man leicht dazu, über Funktionäre schlecht zu reden. Das ist falsch. Denn das Wort "Funktionär" kommt von "funktionieren". Und ohne die, die für das "Funktionieren" sorgen, kann auch keine solche Olympiade, kein Wettkampf stattfinden. Und die große Mehrheit der häufig ehrenamtlich tätigen Funktionäre leistet hervorragende Arbeit. Deswegen möchte ich in dieser Stunde auch an sie ein herzliches Wort des Dankes sagen. Ich denke schließlich auch an die Sponsoren und Spender, die über die Stiftung Deutsche Sporthilfe, im Team Olympia oder auch durch Förderung des Behinderten-Sportverbandes wertvolle Hilfe geleistet haben.

Sie alle können stolz auf das gemeinsam Geleistete sein. Aber wir müssen zugleich nach vorne blicken. Jeder weiß, daß mit dem "Ausruhen auf den eigenen Lorbeeren" in der Zukunft keine Erfolge zu erzielen sind. Ich begrüße deshalb ausdrücklich das neue "Förderkonzept 2000" des Deutschen Sportbundes. Es geht darum, den Leistungsgedanken noch stärker als bisher zu betonen, aber auch eine gezieltere Nachwuchsförderung unserer Sportler zu betreiben. Aber über die gezielte Spitzensportförderung hinaus muß noch mehr für den Nachwuchs getan werden - schon in den Schulen.

Ich freue mich daher, daß sich der Initiativkreis Sport und Wirtschaft dieses Thema zu eigen macht und sportbetonte Schulen unterstützen will. Es ist für die Entwicklung unserer Gesellschaft von großer Bedeutung, daß die Begabungen von Kindern und Jugendlichen unterstützt werden, daß damit auch in Schulklassen und in Schulen Vorbilder entstehen. Dies gilt übrigens nicht nur für den Bereich des Sports.

Ich möchte an dieser Stelle einmal ausdrücklich betonen, daß Leistung nichts mit Ellenbogenmentalität zu tun hat, sondern daß Leistung Spaß machen kann, daß Leistung ein Stück Selbstvertrauen verleiht und daß Leistung eben auch den persönlichen Erfolg erzielen will. Der Weg zu diesem Erfolg ist oft genug hart. Die aktiven Sportlerinnen und Sportler sind der beste Beweis dafür. Sie wissen, daß sie ihre Leistung ohne Trainingsfleiß, Disziplin und manchen Verzicht nicht bringen können. Sie wissen aber auch, daß ohne innere Bereitschaft und Begeisterung, ohne Spaß, auf Dauer keine guten Leistungen möglich sind.

Nochmals herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Erfolg und vor allem meinen Dank für Ihr Beispiel, daß Sie vielen von uns gegeben haben! Ich wünsche Ihnen auch für die Zukunft viel Erfolg, Glück und vor allem denen, die weitermachen, die schon die nächste Olympiade oder die nächste Weltmeisterschaft im Visier haben, Durchstehvermögen und die Kraft, einfach zu sagen: ich schaffe es, dann wird sich auch der Erfolg einstellen.

Quelle: Bulletin der Bundesregierung. Nr. 96. 26. November 1996.