25. Oktober 1989: Interview des amerikanischen Präsidenten Bush mit der Zeitung "The New York Times" zur Deutschlandpolitik (Auszug)

Auf die Frage nach irgendwelchen Veränderungen im Status Deutschlands antwortete Präsident Bush:

"Ich teile die Besorgnisse nicht, die einige europäische Länder über ein wiedervereinigtes Deutschland haben, weil ich denke, daß Deutschlands Engagement in der Allianz und die Anerkennung von deren Bedeutung unerschütterlich sind. Ich sehe auch nicht, daß Deutschland - so wie einige befürchten -, um wiedervereinigt zu werden, einen neutralistischen Weg einschlägt, der es mit seinen NATO-Partnern entzweit. [...] Ich glaube nicht, daß wir mit einem Wiedervereinigungskonzept vorpreschen, Zeitpläne entwerfen oder von dieser Seite des Atlantiks aus mit einer Menge von Stellungnahmen zu diesem Thema kommen sollten. Es braucht Zeit, Zeit für kluge Evolution. Da ist Arbeit zwischen ihnen (den Deutschen) nötig und Verständigung über all das mit den Franzosen und den Briten. [...] Aber das Thema ist so viel wichtiger und zentraler geworden [...] wegen der schnellen Veränderungen, welche in Ostdeutschland stattfinden. [...] Wer weiß, als was sich Herr Krenz herausstellen wird? Wird er nur die Fortsetzung der Honecker-Weltsicht oder etwas anderes sein? Ich glaube nicht, daß er sich einem tiefgreifenden Wandel widersetzen kann. [...] Ich glaube, daß man den Versuch einer Anpassung an den Wandel sehen wird. Er (Krenz) kann die Uhr nicht zurückdrehen. Der Wandel ist unumstößlich. [...] Es wird da eine Menge über die Angst vor einer Wiedervereinigung geschrieben, was ich persönlich nicht teile."


Quelle: The New York Times vom 25. Oktober 1989.