Späth, Lothar

* 16.11.1937 in Sigmaringen
† 18.03.2016 in Stuttgart

Ministerpräsident, Vorstandsvorsitzender, ev.

1953-1958 Nach Beendigung der Schulzeit Ausbildung im Verwaltungsdienst in Giengen/Brenz, Bad Mergentheim und Stuttgart
1958-1959 Staatliche Verwaltungsschule Stuttgart
1960-1965 Tätigkeit in der Finanzverwaltung der Stadt Bietigheim
1965-1967 Finanzreferent der Stadt Bietigheim
1967 Eintritt in die CDU
1967-1970 Bürgermeister der Stadt Bietigheim
1968-1991 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg
1970-1974 Geschäftsführer der Baugesellschaft "Neue Heimat" Baden-Württemberg
1972-1978 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg
1973-1974 Mitglied des Zentralvorstands der "Neuen Heimat" in Hamburg
1975-1977 Vorstandsmitglied der Firma Baresel AG in Stuttgart
Feb.-Aug. 1978 Innenminister des Landes Baden-Württemberg
Aug. 1978-1991 Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg als Nachfolger von Hans Filbinger
1979-1991 Vorsitzender der CDU Baden-Württemberg
13.01.1991 Rücktritt vom Amt des Ministerpräsidenten, im Juli Aufgabe des Landtagsmandats und im Oktober Rücktritt vom Amt des CDU-Landesvorsitzenden
1991-2003 Geschäftsführer der Jenoptik GmbH bzw. Vorsitzender des Vorstands der Jenoptik AG
2003-2007

Vorsitzender des Aufsichtsrats der Jenoptik AG

Biographischer Werdegang

Späth nimmt unter den führenden deutschen Politikern der letzten Jahrzehnte wegen der sich in seiner Person verkörpernden Symbiose von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Kultur eine Sonderstellung ein. Sein publizistisch-rhetorisches Naturtalent war auch auf die Kunst der Selbstdarstellung, vor allem aber auf die Verwirklichung seiner zahlreichen Ideen und Projekte ausgerichtet, die Baden-Württemberg in der Ära Späth einen wirtschaftlichen, technologischen und kulturellen Spitzenplatz verschafft haben. Diese Erfolgsbilanz wurde bundesweit registriert: Bis 1989 galt Späth als „Kronprätendent" Helmut Kohls. Nach quirligen Anfangsjahren als Ministerpräsident konnte er - übrigens nicht „beratungsresistent" - die ersten markanten Stationen seiner Regierungszeit realisieren: das Landesmediengesetz (1985), das erste in der Bundesrepublik, die Führungsakademie des Landes in Karlsruhe, eine Reihe von wirtschaftlichen Forschungsinstituten und technologischen Zentren und die Errichtung eines Umweltministeriums (1987) zeigen die Skalenbreite seiner Ideen. Auf vielen Reisen erwies sich Späth als erstklassiger Akquisiteur für die baden-württembergische Wirtschaft, die den Übergang zum technologischen Zeitalter im Vergleich zu anderen Ländern mit am besten bewältigte. Auch in der Kulturpolitik sorgte er für aufsehenerregende Projekte wie etwa das Landesmuseum Arbeit und Technik in Mannheim und die Künstlerakademie auf Schloss Solitude. Saniert wurden das Württembergische Staatstheater und das Wilhelma-Theater in Stuttgart; Schloss Gottesaue wurde Sitz der Karlsruher Musikhochschule. Der geplante Zusammenschluss von SWF und SDR sowie die Fusion der öffentlich-rechtlichen Bankinstitute zur Landesbank scheiterten. Als Einzelheiten über zahlreiche von Firmen finanzierte Reisen an die Öffentlichkeit drangen - „Verdacht der Vorteilsannahme" -, trat Späth zurück. Ein Untersuchungsausschuss des Landtags sprach ihn von persönlicher Schuld frei; das von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde eingestellt. „Wie man aus einem Trümmerhaufen ein erfolgreiches Unternehmen macht" (Späth), demonstrierte er in Jena; aus der von ihm geleiteten Jenoptik entstand ein moderner Technologiekonzern, dessen Börsengang (1998) die geschickte, weit vorausschauende Geschäftsführung des Ehrenbürgers von Jena bestätigte. Im Bundestagswahlkampf 2002 sah Kanzlerkandidat Stoiber ihn als Wirtschaftsminister vor, doch die Wahlniederlage der Union verhinderte Späths Rückkehr in die Politik. 2003 trat er als Vorstandsvorsitzender der Jenoptik zurück und ist seither als Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Wirtschaftsunternehmen tätig. Als Moderator des Privatsenders n-tv äußert er sich nach wir vor zu tagespolitischen Fragen.

Literaturhinweise

L. Späth: Die Stunde der Politik. Vom Versorgungsstaat zur Bürgergesellschaft (1999); Ders.: Was jetzt getan werden muß. Seitenblicke auf Deutschland (2002); Ders.: Wende in die Zukunft (1985). - W. Filmer/H. Schwan: Lothar Späth (1987); A. Graw /M. Lessenthin: Lothar Späth. Politik, Wirtschaft und die Rolle der Medien (1991); M. Zach: Monrepos oder die Kälte der Macht (1996); M. Prinzing: Lothar Späth - Wandlungen eines Rastlosen (2006).

Horst Ferdinand