Hellwig, Renate

* 19.02.1940 Beuthen

Beamtin, Staatssekretärin, Bundestagsabgeordnete, Dr. jur., ev.

Quelle: CDU/KAS-ACDP
1959 Abitur
1959-1964 Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in München und Berlin
1967 Promotion
1969 Beamtin im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung
1969-1972 Referentin für Öffentlichkeitsarbeit im Kultusministerium Baden-Württemberg
1970 CDU
1972-1975 MdL Baden-Württemberg
1975-1980 Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Umwelt des Landes Rheinland-Pfalz
1980-1998 MdB
1985-1998 Mitglied im CDU-Bundesvorstand

Biographischer Werdegang

1987 räumt Renate Hellwig in einem Interview mit dem „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" selbstkritisch ein: „Mit Profil eckt man an." Die kämpferische Politikerin, die sich entschieden für ein modernes Frauenbild in ihrer Partei einsetzt, engagiert sich aber auch auf anderen Gebieten der Politik und im vorpolitischen Raum. Geweckt wird Renate Hellwigs Interesse für Politik schon im Elternhaus.

Herkunft, Ausbildung und erste berufliche Schritt

Renate Hellwig kommt am 19. Februar 1940 in Beuthen (Oberschlesien) als Tochter des Goldschmiedemeisters Kurt Hellwig und seiner Frau Eleonore (geb. Kirchner) zur Welt. 1945 flieht sie mit ihrer Mutter und ihrem 1943 geborenen Bruder - der Vater ist zu diesem Zeitpunkt noch Soldat in der Wehrmacht - von Gleiwitz in den Westen Deutschlands. In München baut sich die protestantische Familie mit einem Juweliergeschäft eine neue geschäftliche Existenz auf.

Von 1946 bis 1950 besucht Renate Hellwig die Volksschule, 1950 wechselt sie auf die Sankt-Anna-Oberrealschule im Münchner Viertel Lehel. Hier wird sie zur Klassensprecherin gewählt, in ihren Augen ein „höchst aussichtsreicher Posten für eine spätere Karriere als Bundestagsabgeordnete". Zudem lernt sie als Tochter selbständiger Geschäftsleute schon früh, Verantwortung zu übernehmen. Da ihre Mutter, eine gelernte Zahnarzthelferin, im Familienbetrieb mitarbeitet, kümmert sie sich um ihren jüngeren Bruder und übernimmt im Laufe der Zeit auch die Buchhaltung im elterlichen Betrieb. Mit ihrem Vater, einem Anhänger der FDP, dem sie sehr nahesteht, diskutiert sie zudem viel über politische Ereignisse und die deutsche Vergangenheit. Die Übernahme des elterlichen Betriebs lehnt sie allerdings ab und beginnt nach dem 1959 bestandenen Abitur, an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität Jura zu studieren. 1960 wechselt sie für zwei Semester nach Berlin, 1963 legt sie die erste juristische Staatsprüfung ab. Sie nimmt zusätzlich ein Studium der Wirtschaftswissenschaften auf und beginnt ihren Vorbereitungsdienst als Rechtsreferendarin. Im Oktober 1967 legt sie das Assessorexamen ab und wird mit einer Dissertation zum Thema „Auslegung und Anwendung des Begriffs Unzuverlässigkeit im Gewerberecht" am 18. Dezember 1967 in München zum Dr.jur. promoviert. Direkt im Anschluss beginnt sie am 1. Januar 1968 ein Praktikum bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel, wo ihr Interesse an der Europapolitik geweckt wird. Das Praktikum endet am 30. Juni 1968 und am 1. Oktober des gleichen Jahres tritt sie als Referentin in das Bonner Bundesministerium für Arbeit und Soziales ein.

Schon während dieser ersten beruflichen Station wird, nach einem Zusammentreffen mit weiblichen Bundestagsabgeordneten, der als Kind geäußerte Wunsch, Politikerin zu werden, wieder lebendig. Aenne Brauksiepe, die von Renate Hellwig auf dem Treffen angesprochen wird, gibt ihr den Rat, in die „Provinz" zu gehen und von dort aus eine politische Karriere zu starten. Ein Ratschlag, den Renate Hellwig noch heute für gut befindet und an jüngere, interessierte Frauen weitergibt.

Nach ihrer Ernennung zur Regierungsassessorin im Mai 1969 wechselt sie im August 1969 als Leiterin des Referats für Öffentlichkeitsarbeit in das von Professor Wilhelm Hahn geführte baden-württembergische Kultusministerium nach Stuttgart. 1970 erfolgt die Ernennung zur Regierungsrätin, 1972 die Beförderung zur Oberregierungsrätin.

Der Einstieg in die Politik

1970 tritt sie - geworben von Manfred Wörner - der CDU bei und schon 1972 gelingt ihr auf Anhieb der Einzug in den baden-württembergischen Landtag. Bei der Auswahl ihres Wahlkreises setzt sie sich energisch gegen Gerhard Mayer-Vorfelder durch, der ebenfalls im Wahlkreis StuttgartIV kandidieren will und nach Cannstatt ausweichen muss. Ihr Wahlkampf wird von einem persönlichen Drama überschattet. Ihr Vater, die prägende Person in ihrem Leben, wird in seinem Münchner Juweliergeschäft überfallen und erliegt in der Wahlnacht in einem Münchner Krankenhaus seinen schweren Verletzungen.

Das fachliche Interesse der jungen Landtagsabgeordneten gehört - bedingt durch ihre eigenen Erfahrungen im Studium und ihre Tätigkeit im Kultusministerium - zu diesem Zeitpunkt der Kultur- und Hochschulpolitik. In der Landtagsdebatte über den Entwurf zur Änderung des Hochschulgesetzes am 15. Dezember 1972 spricht sie sich entschieden für eine Straffung der Studienzeiten und für die Einführung verbindlicher Studienpläne aus.

1973 überträgt ihr Ministerpräsident Hans Filbinger den Vorsitz einer Kommission der baden-württembergischen CDU, die ein „Grundsatzprogramm zur Stellung der Frau in der Gesellschaft" entwickeln soll. Das von ihrer Kommission auf dem Landesparteitag am 15./16. November 1974 in Pforzheim vorgelegte Papier, das den Titel „Frau in Beruf und Familie" trägt, sorgt für große Aufregung bei den eher konservativen Kreisverbänden und der Parteibasis wegen seiner Forderungen nach mehr Gleichberechtigung und Chancengleichheit für Frauen. Die „Südwest Presse" titelt am 15. November 1974: „CDU-Frauen blasen zum Denkmalsturz. Sie wollen Gleichberechtigung nicht nur auf dem Papier".

Im Oktober 1973 wird Renate Hellwig zudem als Nachfolgerin von Annemarie Griesinger zur Bezirksvorsitzenden der nordwürttembergischen Frauenvereinigung der CDU gewählt und im Dezember eine der vier Stellvertreterinnen der Vorsitzenden der Frauenvereinigung der CDU in Baden-Württemberg, Dr. Ingrid Obermüller-Kochs. Das Amt übt sie allerdings - bedingt durch ihren Wechsel nach Mainz - nur zwei Jahre lang aus.

Staatssekretärin in Rheinland-Pfalz und Mitglied des Deutschen Bundestages

Im September 1975 wechselt Renate Hellwig überraschend als Staatssekretärin in das rheinland-pfälzische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport nach Mainz. Dadurch verzichtet sie zunächst auf den Einzug in den Deutschen Bundestag, obwohl sie im Wahlkreis Esslingen einen Abstimmungssieg erringt. Der Wechsel wird durchaus kritisch kommentiert, die „Stuttgarter Nachrichten" verweisen auf die für sie unbefriedigende Situation im eigenen Stuttgarter Kreisverband und unterstellen ihr „die sichere Position in Mainz" vorzuziehen. In der Partei wird allerdings schnell klar, dass sie für Gerd Langguth Platz machen muss, der für den Wahlkreis Esslingen in den Bundestag einziehen soll, obwohl sie zuvor die Kampfabstimmung im Wahlkreis gewonnen hatte.

Im gleichen Jahr wird Renate Hellwig auch in den Vorstand der CDU-Frauenvereinigung (später Frauen Union) gewählt, woraus sich eine enge Zusammenarbeit mit Helga Wex, von 1971 bis 1986 Bundesvorsitzende der Vereinigung, ergibt.

1980 wird sie - neben Helga Wex - in die Wahlkampfmannschaft von Franz Josef Strauß aufgenommen und bewirbt sich um ein Mandat im Deutschen Bundestag. Sie gewinnt den baden-württembergischen Wahlkreis 170 (Neckar-Zaber) direkt mit 53,6Prozent und nimmt ihren Wohnsitz in Bietigheim-Bissingen. Ihren Posten in Mainz gibt sie auf und nimmt als Parlamentsneuling auf den hinteren Bänken des Deutschen Bundestages Platz.

Im Bundestag engagiert sie sich auf vielen Gebieten und vertritt mit großem Einsatz die Belange ihres Wahlkreises. 1985 gelingt ihr mit 483 Stimmen der Einzug in den Bundesvorstand der CDU, ein Amt, das sie bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag 1998 beibehalten wird. Ein erster Versuch, gewählt zu werden, war 1983 auf dem Bundesparteitag in Köln gescheitert, weil sie - wie auch Roswitha Verhülsdonk - nicht die notwendige Anzahl der Stimmen erhielt.

„Ohne Frauen ist die Demokratie nur halb" - Engagement in der Frauenpolitik

Ihr Interesse für frauenpolitische Belange entwickelt sich im Laufe ihrer politischen Tätigkeit. Kämpferisch ist ihr Eintreten immer, obwohl ihr bewusst ist, dass sie sich damit unbeliebt machen kann. Sie setzt sich entschieden für eine Änderung des traditionellen Frauen- und Familienbildes ihrer Partei sowie für ein stärkeres politisches Engagement von Frauen ein.

Schon in ihrer Zeit als Staatssekretärin in Mainz profilierte sie sich auch in dieser Thematik. Im Jahr des Wechsels nach Mainz erscheint ihr Buch „Frauen verändern die Politik", das den provokanten Untertitel „Eine gesellschaftspolitische Streitschrift" trägt. Ihr Anliegen ist es, mehr Frauen für die Politik zu gewinnen und gegen die traditionelle Rollenverteilung („Haus und Kindererziehung" gegen „Beruf und gesellschaftspolitische Betätigung") zu Felde zu ziehen. Für sie liegt der Schlüssel in einem neuen Selbstverständnis der Frauen, in der „Bildung weiblicher Gemeinschaften" und mehr weiblicher Solidarität. In ihren Augen kommt den Frauenvereinigungen des vorpolitischen Raums sowie den Parteivereinigungen eine wichtige Rolle zu, um Frauen an die Politik heranzuführen. Auch sieht sie in der Frauenvereinigung eine Möglichkeit, die Interessen von Frauen gezielt zu vertreten.

Schon auf dem Mannheimer Bundesparteitag der CDU (23. bis 25. Juni 1975) vertritt die „Entwicklungshelferin für die Frauen" eher ungewöhnliche Ansichten, als sie fordert: „Jedem der beiden Ehegatten steht ein gleicher Betrag [des Familieneinkommens] für eigene Bedürfnisse zur Verfügung, wenn wir tatsächlich schon von Gleichberechtigung sprechen."

1977 erregt sie mit ihrem auf dem Bundesdelegiertentag der CDU-Frauenvereinigung in Fellbach geäußerten Vorschlag, ein Wahlrecht für Kinder einzuführen, das bis zur Volljährigkeit von den Eltern ausgeübt werden sollte, bundesweit für Aufsehen. Für diesen Vorschlag, in ihren Augen ein „Nachweis aktiver Familienpolitik", erntet sie Zustimmung von vielen Seiten, aber auch Kritik. Ihr wird vorgeworfen, die Familien zum „Kampffeld parteipolitischer Auseinandersetzungen" machen zu wollen.

1978 wird sie mit der Leitung des neu eingerichteten Arbeitskreises „Familienpolitik" der CDA beauftragt. In ihrem Anspruch, das traditionelle Frauen- und Familienbild der CDU zu modernisieren, gerät sie 1981 auch mit Norbert Blüm, dem Vorsitzenden der Sozialausschüsse, in Streit. Für Wirbel sorgen die von Blüm unter dem Titel „Die sanfte Macht der Familie" vorgelegten familienpolitischen Leitsätze, die auf der Bundestagung der Sozialausschüsse (9. bis 11. Oktober 1981 in Mannheim) zur Diskussion stehen. Hellwig, unter deren Vorsitz der familienpolitische Arbeitskreis der Sozialausschüsse einen Gegenentwurf erarbeitet, wirft dem damaligen Berliner Sozialsenator ein „Rollback in eine Mutterkreuzideologie" vor, nennt ihn einen „Frauenfeind" und sieht in dem Programm einen Rückfall ins vorherige Jahrhundert. „Partnerschaft gegen Mütterlichkeit", so fasst sie den Dissens 1996 auf dem Bundesparteitag in Hannover zusammen. Für Renate Hellwig, wie für viele Frauen, stehen die Begriffe „Partnerschaft" und „Wahlfreiheit" im Vordergrund. Das Leitbild des voll erwerbstätigen Vaters und der nicht erwerbstätigen Mutter lehnt sie strikt ab.

Wegen ihres Engagements für Frauen und Politik wird die streitbare Politikerin im Februar 1982 von der Frauenzeitschrift „Brigitte" zu einer der Frauen des Jahres gewählt. Lobend erwähnt die „Stuttgarter Zeitung": „Als eine der wenigen Frauen in ihrer Partei hat sich Renate Hellwig gegen die altväterlichen Parteibilder der CDU-Männer und auch vieler CDU-Frauen aufgelehnt."

Im Vorfeld des Essener Bundesparteitags 1985 gehört Renate Hellwig zu denjenigen Frauen, die Helmut Kohl auffordern, neben Dorothee Wilms eine weitere Frau ins Kabinett zu berufen.

Auf dem Essener Bundesparteitag (20. bis 22. März 1985), auf dem die CDU ihre „Leitsätze der CDU für eine neue Partnerschaft zwischen Mann und Frau" berät und verabschiedet, tritt Hellwig wie gewohnt kämpferisch auf. Sie leitet auf dem Parteitag das Forum 3 „Frauen in Politik und Gesellschaft". In ihren einführenden Worten kritisiert sie die mangelnde Vertretung der Frauen in Führungspositionen: „Frauen bilden allenfalls einige wenige bunte Punkte im Einheitsgrau der Männerkleidung." Ihre Geschlechtsgenossinnen fordert sie gleichzeitig auf, sich stärker in den politischen Prozess einzubringen: „Wir Vorhut-Frauen brauchen aber auch die Unterstützung an der Basis. Je offener, je unbekümmerter und immer unüberhörbarer für Parteiführungen Sie diese erweiterte politische Mitwirkung an der Basis einfordern, um so besser, meine Damen! Dazu ermutigt zu werden, dafür sind Sie hier!" Und ihrer Partei schreibt sie ins Stammbuch: „Der für die CDU lebenswichtige Zustrom an jungen, tüchtigen, einsatzbereiten Frauen wird versiegen, wenn sie den nachwachsenden Frauengenerationen nicht besser zuhört."

Nach dem Essener „Frauenparteitag" fordert Roswitha Verhülsdonk, die Vorsitzende der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, im Namen ihrer Kolleginnen, zu denen auch Renate Hellwig gehört, Bundeskanzler Kohl in einem Brief energisch dazu auf, bei der Neubesetzung des Familienministeriums eine „ausgewiesene CDU-Frau und nicht eine Seiteneinsteigerin" zu berücksichtigen. In den Augen der „Emma" gehört Renate Hellwig zu denjenigen, die ein Ministeramt „am meisten verdient" hätten. Zur Empörung vieler Frauen in der Unionsfraktion wird die politische Seiteneinsteigerin Rita Süssmuth als Nachfolgerin von Heiner Geißler für das Amt des Bundesministers für Jugend, Familie und Gesundheit nominiert.

Im Mai 1985 muss Renate Hellwig einen Misserfolg hinnehmen. Sie wäre gerne Vorsitzende der baden-württembergischen Frauenvereinigung geworden, doch wird ihr die Sozialministerin Barbara Schäfer vorgezogen, weil - so die „Stuttgarter Zeitung" - Lothar Späth „Widerstand gegen die eigenwillige Bewerberin" anmeldet.

1986 muss sie bei der Wahl zur Vorsitzenden der Frauenvereinigung der CDU eine weitere herbe Niederlage einstecken. Hellwig, die lange Jahre mit der im Januar 1986 verstorbenen langjährigen Bundesvorsitzenden Helga Wex zusammengearbeitet hat, macht sich Hoffnungen auf die Nachfolge. Sie tritt gegen Rita Süssmuth an und bezeichnet sich in ihrer Bewerbungsrede selbst als das „kampferprobte und schon leicht ramponierte Schlachtroß". Mit 202 zu 131 Stimmen (60,7 Prozent) sprechen sich die Delegierten auf der 15. Bundesdelegiertentagung in Bonn allerdings gegen Renate Hellwig und für Rita Süssmuth aus.

Ihre Gemütsverfassung charakterisiert Renate Hellwig folgendermaßen: „Nach meiner Niederlage wurde ich zwar haushoch als Beisitzerin in den FU-Vorstand gewählt, aber meine Kraft, für Frauenfragen zu kämpfen, war irgendwie erschöpft."

Vertreterin europapolitischer Belange im Deutschen Bundestag

Ihr Interesse verlagert sich daraufhin verstärkt auf die Europapolitik und sie engagiert sich als „Missionarin in Sachen Europa". Zu dieser Thematik meldet sich Renate Hellwig, die ihre berufliche Laufbahn mit einem Praktikum bei den Europäischen Gemeinschaften in Brüssel begonnen hat, im Deutschen Bundestag immer wieder zu Wort. 1984 übernimmt sie den Vorsitz der Europa-Kommission und 1991 den Vorsitz des EG-Ausschusses des Deutschen Bundestages. 1992 wird sie stellvertretende Vorsitzende des Sonderausschusses „Europäische Union (Vertrag von Maastricht)". Ihr Traum, EU-Kommissarin zu werden, erfüllt sich allerdings nicht.

Die mangelnde Solidarität in der CDU - auch und gerade unter den Frauen - sind für sie immer wieder ein Kritikpunkt. Sie zieht das ernüchterte Resümee: „Am besten kann ich mich auf mich selbst verlassen." Wichtig war und ist ihr immer, sich nicht verbiegen zu lassen und für die eigene Meinung einzustehen, auch wenn sich dies nicht immer als opportun und karrierefördernd erweist.

1998 scheidet sie aus dem Bundestag aus und widmet sich ihrem Privatleben. Sie lebt wieder in München, engagiert sich gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin für die Hilfsorganisation CARE Deutschland. Ehrenamtliches Engagement ist ihr sehr wichtig, „um sich auch noch im Alter nützlich fühlen zu können". Ihren autobiographischen Beitrag in der Publikation „Mut zur Verantwortung" überschreibt sie „Ich bereue nichts" - und dies spricht für sich selbst.

Literaturhinweise

Renate Hellwig: Frauen verändern die Politik. Eine gesellschaftspolitische Streitschrift. Stuttgart 1975.
Renate Hellwig (Hg.): Die Christdemokratinnen - Unterwegs zur Partnerschaft. Stuttgart u.a. 1984.
Renate Hellwig: Das Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf (Kirche und Gesellschaft 172). Köln 1990.
Renate Hellwig/Wolfgang Schäuble (Hg.): Der Deutsche Bundestag und Europa. Stuttgart 1993.
Renate Hellwig: Alibifrauen? - Die Union und ihre weiblichen Mandatsträgerinnen nach der Ära Adenauer, in: Elisabeth Schwarzhaupt (1901-1986). Porträt einer streitbaren Politikerin und Christin. Hg. von der Hessischen Landesregierung. Freiburg/Breisgau 2001, S. 173-185.
Renate Hellwig: Ich bereue nichts, in: Beate Neuss/Hildigund Neubert (Hg.): Mut zur Verantwortung. Frauen gestalten die Politik der CDU. Köln u.a., S. 233-247.
Birgit Meyer: Frauen im Männerbund. Politikerinnen in Führungspositionen von der Nachkriegszeit bis heute. Frankfurt/Main u.a. 1997.

Denise Lindsay